Wandern in El Valle und noch einiges mehr

An El Valle kommt man in keinem Reiseführer oder Reiseforum Panamas vorbei. Ein Hinterland Retreat mit angenehmeren Temperaturen und tollen Wanderwegen sowie beeindruckenden Wasserfällen. Da wollten wir uns doch nicht lumpen lassen und das ganze mal genauer in Augschein nehmen.

Wake-Up-Call

Nach 3-4 Cola-Rum und diversen Bierchen davor erwachten wir, wie quasi jeden Tag auf unserer bisherigen Reise, relativ früh gegen 8:00. Kurzer Blick durch die Panoramascheibe unseres Zimmers und wir stellen fest, dass es etwas bedeckt aussah. Alles klar, dann reicht einmal eincremen. Gesagt getan und keine Sonnencreme eingepackt (Schlau Jungs!)

Sven hat am Vorabend entdeckt, dass zwei drei Häuser neben unserem Hotel (in kolumbianischen Besitz, wie wir später erfuhren) eines Pasteleria gab – dies sollte der Ort unseres Frühstücks werden. Aus den zahlreichen dulces (Süßigkeiten) wählten wir die leckersten aus und bestellten zwei Café con leche. Sehr lecker… muy rico wie der Panamese zu sagen pflegt.

Los Dulces
Los Dulces

Beim Zahlen mussten wir schon ein wenig schmunzeln, da 6$ also 4,5€ nun wirklich nicht sehr viel sind, aber gut wir müssen uns ja zumindest ab und zu mal für Budget-Traveller halten;)

An der Kasse lernten wir Günter kennen, einen deutschen Wanderer in Vollmontur, mit dem wir uns zu El Valle und vor allem Boquete (dort werden wir gegen Ende der Reise sein) austauschten.

Der Weg ist das Ziel

Frisch gestärkt und ausgestattet mit sehr detailgetreuen 😉 Karten aus unseren Reiseführern begaben wir uns also auf den Weg zu unserer Wanderung. Auf dem Programm standen zwei Wasserfälle Chorro las Mozas und Chorro El Macho, die India Dormida (die schlafende Indianderin), sowie eine Canopy Tour durch die Baumgipfel des Regenwaldes. Klar schaffen wir das alles an einem Tag!!!

Unser erster Zwischenstopp sollte der kleine Wasserfall Chorro las Mozas werden. Auf dem Weg dahin kamen wir von eben diesem ab, da ich Sven davon zu überzeugen versuchte, dass wir auf dem richtigen Pfad seien. Dabei stiegen wir einen Berg an und mussten recht bald feststellen, dass der Himmel aufgerissen war, es super heiß wurde und wir gut daran getan haben, 3 Liter Wasser mit uns zu nehmen.

Auf dem Weg zu diesem Berg, den wir fälschlicherweise bestiegen, kamen wir durch – ich nenne es mal – Kolonialsiedlungen von El Valle. So standen in der Calle de los Millionarios (der Name ist Programm) unglaubliche Haciendas (Anwesen) mit sehr schön aufgemachten Einfahrten und sehr gepflegten Gärten. Ein starker Kontrast zu den spärlich geteerten Straßen.

Zurück zum Berg: Irgendwie spürten wir, dass wir auf dem falschen Weg waren, aber unser Ehrgeiz verbot es uns, nach den bisherigen Anstrengungen – und wir waren beide gut fertig – einfach so umzudrehen. Als wir schließlich „oben“ ankamen, mussten wir feststellen, dass es kein „oben“ gab und es sich lediglich um einen Bergpass, wahrscheinlich zu einem nächsten Ort handelte, denn es ging einfach wieder runter:(

Chorro las Mozas

Somit hatten wir gut 2 Stunden des angebrochenen Tages „verbraucht“. Waren aber immer noch frohen Mutes, das ganze Programm abzureißen. Zurück zur Hauptstraße und erstmal den Wasserspeicher wieder auffüllen. Hierzu bedient man sich in Panama dem guten alten Getränk „Gatorade“, welches man in sämtlichen Regenbogenfarben an jedem kleinen Kiosk und sogar als Tetrapaks erhält (die große Schwester US of A lässt grüßen). An dieser Stelle müssen wir erwähnen, dass die Chinesen Panama zu übernehmen scheinen – zumindest in El Valle. Fast jeder Supermarkt war in chinesischer Hand. Diese Läden waren keine klassischen Supermärkte, sondern eher Allwarengeschäfte vom Gummistiefel bis hin zum Steckdosenadapter. Dort kriegt man einfach alles.

Endlich Straßenschilder
Endlich Straßenschilder

Von der Hauptstraße war es ein leichtes den Schildern zu folgen. Als der erste Hunger sich zeigte, verspeisten wir die frischen, auf dem Markt gekauften Bananen – super lecker. Nach circa 45 Minuten Spaziergang durch die etwas einfacheren Viertel El Valles (in erster Linie Holzhäuser oder Blechhütten), erreichten wir den Eingang von Chorros las Mozas. Wie in Panama üblich, standen mitten in der Wallachei 4 Frauen in einem Häuschen und verlangten 1$ Eintrittsgeld. Nachdem ich versucht habe uns als Jubilados (Rentner) durchzubekommen und das Gelächter unter den Frauen groß war, zahlten wir artig den Dollar und folgten dem Pfad zum Wasserlauf.

Weitere 10 Minuten entlang des Wasserlaufes, inmitten des Regenwaldes, kamen wir zu einem winzigen (okay vielleicht 3 Meter hohem Wasserfall) mit einem großen Naturbecken. In diesem Becken erfrischten sich gerade eine kleine nicaraguische Familie. Wir konnten einfach nicht widerstehen, obwohl ohne Badehose unterwegs. Also mussten unsere Unterhosen herhalten – einfach herrlich das erfrischend, kalte Süßwasser! Später ermunterten wir noch ein paar Amis zum Schwimmen.

„You have to check it out it is really refreshing“

„Hey guys, there’s no doubt about that, we just come from the sleeping indian woman or whatever“

Einfach hilarious diese Amis. Wären es Deutsche, wir würden uns schämen. Sind sie aber nicht und deshalb einfach nur lustig!

La India Dormida

Nun war mehr als die Hälfte des Tages um. So langsam ging uns das Licht auf, dass wir uns weder noch mal verlaufen sollten, noch alle geplanten Tagespunkte abhaken werden können.

Die sleeping indian woman or whatever sollte es aber dennoch werden, schließlich waren wir doch zum Wandern hier. Die größte Schwierigkeit war allerdings von Chorro las Mozas den Weg dorthin zu finden, wenn man nicht wieder zur Hauptstraße zurück und der Ausschilderung folgen wollte.

Naja, wir sind ja nicht auf den Mund gefallen. Mein quasi flüssiges Spanisch (Joke!) hat uns dennoch irgendwie geholfen, den Eingang zu finden. Erneut 2,5$ pro Person folgten wir zunächst einem geteerten Pfad in den Regenwald hinein, der sich alsbald in Luft auflöste und nur noch Regenwald zurückließ.

Mit dem Tag in den Knochen und immer noch hochsommerlichen Temperaturen kämpften wir uns einen sehr unwegsamen, teilweise sehr steilen Pfad durch den Regenwald hinauf. Und dabei galt es einige Höhenmeter zurückzulegen. Die T-Shirts wurden zu unser zweiten Haut und wir waren uns manchmal nicht ganz sicher, ob wir uns noch auf dem Pfad befanden oder irgendwo falsch abgebogen sind.

Schließlich landeten wir fast ganz oben auf einer Art Hof. Der freundliche Besitzer sagte uns, wir seien falsch abgebogen und führte uns (in Flip-Flops) zum richtigen Weg zurück. Dabei erwähnte er, dass vorwiegend deutsche Touristen bei ihm landen… Hmmm, darüber mussten wir nachdenken und erinnerten uns an einen Pfeil der in eine Richtung zeigte, die nicht nach einem Weg aussah. Wir folgten lieber „dem Weg“ – wie wahrscheinlich viele ähnlichen denkende Deutsche und landeten schließlich bei ihm auf dem Hof.

Schließlich kamen wir oben an und trafen auf zwei deutsche Traveller und zwei holländische Traveller. Zwei Schnacks später konnten wir die frische Brise sowie einen wunderschönen Blick auf El Valle genießen. Von hier oben war gut zu erkennen, dass El Valle mitten im Krater eines erloschenem Vulkans entstanden ist.

Durch diesen Abschnitt Regenwald arbeiteten wir uns nach oben
Durch diesen Abschnitt Regenwald arbeiteten wir uns nach oben
El Valle liegt uns zu Füßen
El Valle liegt uns zu Füßen
Sven meditierend beim Abstieg der India dormida
Sven meditierend beim Abstieg der India dormida
Martin beim Abstieg (ja windig war es)
Martin beim Abstieg (ja windig war es)

Señor Moreno

Für den Abstieg wählten wir die querfeldein Variante und kamen irgendwann wieder in den einfacheren Stadtteilen von El Valle heraus. Mittlerweile hatten wir solchen Durst und wollten uns einfach nur belohnen, dass wir nach einigem Hin und Her entschieden, in eine einheimische Arbeiterbar am Straßenrand zu gehen. Das haben wir in der Tat kurz abgewägt, weil der Eingang – ähnlich wie bei der Herbertstraße in Hamburg – mit einem Schild blickgeschütz war und mit dem Zusatz erst über 18 versehen war. Hintergrund ist sicherlich, dass Frauen ihre Männer dort nicht sehen sollen.

Nun müsst Ihr Euch vorstellen, was in solch‘ einer Bar, voll mit Bauarbeitern passiert, wenn zwei weiße Gringos hineinstolpern. Es wird ruhiger, alle Blicke sind auf uns gerichtet, ein total Besoffener versucht mit uns abzuklatschen.

Wir lassen uns nicht irritieren und steuern zielsicher die Bar an. „Dos cervezas por favor! Cuales? Panama!“ Schon wieder der Besoffne hinter uns. Er will mit uns sprechen. Andere Gäste pfeifen ihn zurück. Blicke werden ausgetauscht. Wir setzen uns und orientieren uns in dieser Trinkhalle. Wenige Schlücke später bestellt ein Bauarbeiter zwei Bier für uns an unseren Tisch. Wir bedanken uns höflich und er fragt, ob er sich zu uns setzen darf. Claro!

Señor Moreno, ist schon sichtlich angetrunken, aber noch ganz fit. Wir laden ihn zu zwei weiteren Bier ein. Er erkennt eine Ähnlichkeit zwischen Sven und Piqué (Spieler vom FC Barcelona) nur ist Sven seiner Ansicht nach etwas heller von den Haaren her. Donde esta Shakira wir der Renner. Ein besoffenes Spanisch/Englisch/Zeichensprache-Gespräch beginnt. Auch wir merken mittlerweile das Bier, da in Gefühlten 15 Minuten 4 ebensolche getrunken wurden. Am Ende stand eine Einladung in sein Haus zu Pollo picante (Scharfes Hühnchen). Señor Moreno leihte sich kurz ein Handy, bestellte seinen Sohn zur Kneipe, gab ihm Geld und den Auftrag ein Huhn zu kaufen.

Wir schlenderten im Anschluß zur Casa Moreno in eine Straße des einfacheren Stadtteils. Die Gespräche drehten sich aufgrund der begrenzten Verständigungsmöglichkeiten und dem gestiegenden Alkoholpegels von Señor Moreno eigentlich immer um dasselbe. Aahhh Plique…, Shakira usw. Nun ja, wir wollten jetzt ja nicht unhöflich sein.

Schließlich kamen wir bei seiner Hütte an. Ein sehr einfaches Haus, mit sehr vielen Kindern darin, einem Pitbull an der Leine, einem riesen Mangobaum im Vorgarten, sowie einem sprechendem Papageien („dice Papa a mi“/ „er sagt Papa zu mir“) und zwei Wellensittichen. Da saßen wir nun und wir hatten das Gefühl, dass die anderen Familienangehörigen nicht wirklich amused waren. Wen hat drunken Papa da wieder einmal angeschleppt?

Señor Moreno verschwand für einige Minuten und kam mit eisgekühltem Bier vom Kiosk wieder. Richtung Essen tat sich allerdings nichts. So langsam schwand bei uns ehrlich gesagt auch die Lust darauf.

„Nur wie kamen wir aus dieser Situation wieder heraus?“

Ich unternahm ein paar spärliche Versuche mit meinem Spanisch alá „Danke für das Bier, tut doch alles nicht Not“ etc. , aber ich sage es mal so „he was not amused“… Letztlich fing er irgendwann an sich zu entschuldigen und das sein Sohn mit dem Geld abgehauen sei und so weiter und so fort.

Wir nahmen diese Steilvorlage dankend an und setzen uns in Bewegung. Nur waren wir ihn noch lange nicht los. Señor Moreno wollte uns zu unserem Hotel begleiten und tat dies auch ganz tapfer. Einmal versuchte er uns vor einer Bar in diese hineinzureden, doch wir wiegelten diesmal entschieden ab. Vorm Hotel fragte er dann nach ein paar Dollar für diese Touristen-Tour (Ha, da haben wir Dich!). Ich gab ihm einen Dollar und wir wünschten uns alles Gute). Leicht schwankend begab er sich in Rihtung Centro El Valle. Ob er in einer weiteren Bar landete, könne wir nur vermuten;)

It has been a long day

Der Chorro El Macho und die Canopy Tour fielen letztlich aus. Der Tag war wirklich ereignisreich, aber auch sehr anstrengend. Vor allem die Bierchen merken wir nun ganz deutlich. Schließlich hatten wir ja den Tag über nicht mehr als 2 Bananen gegessen. Folglich sah es mit unserer Lust und Laune aus. Schnell was essen und dann ins Bett – Danke El Valle, es war dennoch sehr witzig!

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